Die Geschichte des
Dorndorfer SV 03

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Von den Anfängen

Ende des 19.Jahrhunderts kam der Fußballsport aus seinem Mutterland England nach Deutschland. Bald bildeten sich in den größeren Städten die ersten Vereine (Hannover 96), denen 1900 die Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) folgte. Dieser organisierte 1903 die erste Fußballmeisterschaft, die den VfB Leipzig als Titelträger sah.

1924-2_kDoch auch in unseren Gefilden wurde relativ früh gekickt. Der älteste Fußballverein unseres Kreises ist der Barchfelder, dessen Gründung 1902 erfolgte. Daß der Dorndorfer SV 1903 gegründet worden sein soll, ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. Vielmehr wurde überliefert, daß in Dorndorf 1903 der TV - also der Turnverein - gegründet wurde. Auch die beiden Dorndorfer Ex-Fußballer Fritz Wiegand und Heinrich Schulz ("Hanne Hein"), können sich an keinerlei Fußballspiele vor oder während des I.Weltkrieges in Dorndorf erinnern. Nach dem Krieg, bedingt auch durch die verstärkte Industrialisierung im Werragebiet, kam es jedoch zu einer raschen Ausbreitung des Spiels.

sauer_klIn diese Zeit (etwa 1920) fällt wohl auch das Gründungsdatum des Dorndorfer Fußballs, der sich TSV (Turn- und Spielverein) nannte, da die meisten Akteure gleichzeitig dem Turnverein angehörten. Spiritus Rector der Gründung dürfte Turnwart "Stöpsel" Sauerbrei gewesen sein, dessen 4 Söhne später alle Fußball spielten. Außerdem gehörten nach eigenen Aussagen "Männe" Weber und "Männe" Fried zu den Mitbegründern. Leider konnten trotz intensiver Recherche keinerlei schriftliche Unterlage über die Vereinsgründung aufgefunden werden.

fried_klNatürlich gab es zunächst Diskrepanzen mit dem traditionsreichen Turnverein, dem ein großer Teil des Nachwuchses weglief. Die Kämpfe um den Ball, die zu Mut, Entschlossenheit und Härte erziehen, die Gewandtheit, Kondition und Kreativität erfordern, hatten es besonders der Jugend angetan, und der Siegeszug zum Volkssport Nr.1 war deshalb nicht mehr aufzuhalten.

Zunächst wurden Vergleichskämpfe gegen die Nachbarorte bestritten, wobei es oft zu Streitigkeiten über recht eigenartige  Regeln bzw. deren Auslegung kam.

weber_kl1922 schlug dann die Stunde des Punktspielbetriebs. Alle gemeldeten Mannschaften wurden aufgrund ihrer Ergebnisse aus den vorangegangenen Freundschaftsspielen in verschiedene Klassen eingestuft. Dorndorf kam in die C-Klasse. Bis 1928 gab es in Dorndorf zwei Mannschaften, die eine spielte in den Farben blau-weiß, die andere schwarz-schwarz. Am 1.4.1928 gründete sich der Arbeitersportverein mit ebenfalls zwei Fußballmannschaften, die allerdings auch ihr eigenes Punktspielprogramm bestritten, so daß es nie zu einem Vergleich zwischen dem bürgerlichen TSV und dem Arbeitersportverein kam. Außerdem war das Verhältnis zwischen beiden Vereinen sehr spannungsgeladen, so daß es neben verbalen, auch zu anderen Auseinandersetzungen kam. Vor einem Spiel des Arbeitersportvereins hatte zum Beispiel ein Angehöriger des bürgerlichen TSV am Sonnabend noch Dung auf den Sportplatz gefahren und ausgebreitet, so daß dieser am Sonntag erst wieder zusammengerecht und entfernt werden musste.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde der Arbeitersportverein 1933 wieder aufgelöst;  einige Spieler wechselten zum TSV, andere hörten ganz auf zu spielen.

Nach 1945

Der Wahnsinn des 2.Weltkrieges hatte auch aus den Reihen der Dorndorfer Fußballer Todesopfer gefordert; einige andere Spieler befanden sich noch in Gefangenschaft. Unmittelbar nach dem Krieg war den Menschen auch nicht nach Fußball zumute. Um den ärgsten Hunger der vielen Umsiedler zu lindern, wurden auf der Feldaseite des Sportplatzes Schrebergärten angelegt. Erst 1946/47 begann man wieder zaghaft mit dem Fußballspiel.

Halbprofizeit

Als aber am 12.12.1948 in Dorndorf die erste Betriebssportgemeinschaft (BSG) des Kreises Bad Salzungen auf Initiative des fußballbesessenen kaufmännischen Direktors Beil und mit Absegnung des Kommandanten der SAG (Sowjetischen Aktien-Gesellschaft) gegründet wurde, kam es in Dorndorf zu einem einmaligen Ereignis: Spieler aus namhaften großen Vereinen wechselten, getrieben von dem schlechten Nahrungsangebot in den Städten, nach Dorndorf, wo sie relativ gut verpflegt wurden und eine für damalige Verhältnisse sehr gut bezahlte Arbeit bekamen. So wechselten von "Turbine" Erfurt die Sportsfreunde Heerlein und Haring und aus Waltershausen die Sportsfreunde Krahl und Müller nach Dorndorf. Doch auch die besten Spieler der Nachbarorte bekamen lukrative Angebote wie zum Beispiel "Conny" Winius aus Kieselbach. Außerdem kamen durch die Kriegswirren mit Heinz Naleppa und Alois Sprycha sehr gute Spieler aus dem schlesischen Raum zu uns. So war 1949/50 der Gewinn des Kreismeistertitels des Kreises Eisenach, zu dem Dorndorf damals gehörte, eigentlich nur eine logische Folge. In den Ausscheidungsspielen gegen die anderen Kreismeister wurde im entscheidenden Spiel gegen "Lok" Meiningen in Breitungen 6:3 gewonnen und so der Aufstieg in die damals äußerst starke Bezirksklasse geschafft. Die Punktspiele gegen so renommierte Gegner wie "Motor" Eisenach, "Einheit" Meiningen, Gotha, Suhl usw. sind den älteren Fans noch in bester Erinnerung.

Damals war der Sportplatz ringsherum mit Sitzplätzen versehen, und auf der Feldaseite  stand sogar eine dreireihige Tribüne mit einem Pavillon in der Mitte.

mann3_klAbsoluter Höhepunkt dieser Dorndorfer "Halbprofizeit" (die Spieler bekamen mehr Lohn und Gehalt als ihre Arbeitskollegen und trainiert wurde während der Arbeitszeit) war der Gewinn des Kalipokals 1950. Nachdem die BSG "Aktivist" Dorndorf die Gegner des Werra-Kaligebietes eliminiert hatte (unvergessen der 2:1 - Sieg in Dorndorf vor 2000(!) Zuschauern gegen die in der Landesklasse spielende Elf von "Kali" Tiefenort; Unterbreizbach wurde 8:3 geschlagen), gelang im Endspiel ein 3:2 - Sieg gegen den Südharz Kaligewinner "Glückauf" Bleicherode.

Neben den "Halbprofis" gab es allerdings auch eine echte Amateurmannschaft, die sogenannte 1b (II.Mannschaft), in der ausschließlich Dorndorfer spielten und die auf Kreisklassenebene ob ihrer Kampfkraft und Kompromisslosigkeit gefürchtet war. Noch heute wird bei Stammtischgesprächen in Erinnerung gebracht, wie Hartmann & Co. den Schiedsrichter wegen einer angeblichen Fehlentscheidung in die Felda warfen.

mann4_klDoch dieser Höhenflug des Dorndorfer Fußballs sollte nicht allzulange währen. Querelen in der I.Mannschaft führten zu vermeidbaren Niederlagen, einige der Stars wechselten zu anderen Mannschaften (Heerlein, Haring, Müller, Weyh). Um dem drohenden Abstieg zu entgehen, schloss man sich 1952 mit Kieselbach zusammen zur BSG Aktivist "Einheit". Zwar konnte zunächst die Bezirksklasse gehalten werden, doch als im Spieljahr 1956/57 der Abstieg perfekt war und es zu Streitereien über Spielaufstellungen und Funktionsbesetzungen kam, wurde diese Ehe im Mai 1957 wieder geschieden. Dorndorf spielte danach in der 1.Kreisklasse, und Kieselbach musste wieder ganz unten, in der 2.Kreisklasse, beginnen. In den folgenden Jahren gab es ein ständiges Auf und Ab zwischen 1. und 2. Kreisklasse.

Obwohl dem Dorndorfer Fußball ab den 60er Jahren bis heute die großen Erfolge versagt blieben, soll jedoch all jenen Männern an dieser Stelle gedankt werden, die trotz meist ungerechter Kritik und auch mancher Rückschläge, aber mit großem Enthusiasmus und ohne finanzielle Vergütung ihre Freizeit für die Spieler geopfert haben.

mann1_klErinnert sei hier an Willi Glock, der 4 Jahrzehnte dem Dorndorfer Fußball als Spieler sowie als Sektionsleiter die Treue hielt, an Gerhard Werner, der nach seiner aktiven Zeit bis zu seinem Tod 37 Jahre lang die Finanzen des Vereins verwaltete. Genannt seien aber auch Michel Erbsmehl, Alois Sprycha, Herbert Uhlemann, Werner Hildebrandt, Robert Groß, Gerhard Teichmüller, Erhard Schumann und die unermüdlichen Karl Kuntz und Benno Breite-Scholze.

 

 

Nachwuchs

Von dem Fußballfieber der 50er Jahre wurden natürlich auch die Kinder und Jugendlichen angesteckt. Nachmittags war der Sportplatz immer belegt. Die Kinder und Jugendlichen organisierten sogar eine Dorfmeisterschaft, an der acht Mannschaften teilnahmen. Der FC Katzenberg hatte hier nur einen Konkurrenten, den 1.FC Südwest (Siedlung).

Diese beiden "Clubs" hatten auf Grund der vielen Kinder und Jugendlichen in diesen Ortsteilen keinerlei Aufstellungssorgen, während das Unterdorf, der Arnsberg, Kleckersdorf und vor allem der Kirstingshof auf jüngere (10jährige) zurückgreifen musste. Neben den genannten Ortsteilen spielten noch die Kolonie und die "Reichsbahn" (überwiegend Jugendliche der Karlstraße). Manche Vergleiche wurden auf dem Sportplatz ausgetragen, doch hatte zum Beispiel der Katzenberg seine eigene Anlage hinter dem Kulturhaus am Fuße des damaligen Salzberges, Südwest spielte auf einer Feldawiese, die Kolonie auf einer Aschehalde und das Unterdorf auf der Werrawiese. Bei letzter Mannschaft fungierten zwei Bohnenstangen mit einem darüber gespannten Seil als Tor. Kam ein Bauer schimpfend über die Werrabrücke, wurden die 4 Bohnenstangen einfach herausgerissen und auf einer anderen Wiese einfach wieder hineingesteckt - und das Spiel ging weiter.

In dieser Zeit gab es noch keine Fernseher, Computerspiele und dergleichen. Die Freizeitbeschäftigung Nr.1 war Fußballspielen - und das täglich. Bei soviel Training blieb es nicht aus, dass sich starke Nachwuchsmannschaften entwickelten.

So erreichte 1954 die B-Jugend mit Spielführer Kurt "Ella" Hermann und den beiden Übungsleitern "Sepp" Güth und Heinz Naleppa nach Gewinn des Kreismeistertitels das Endspiel um die Bezirksmeisterschaft, das allerdings gegen die körperlich weit überlegenen Sonneberger 0:4 in Hildburghausen verloren wurde.

Zwei Jahre später jedoch (inzwischen mit Kieselbach - gleich im ersten A-Jugendjahr wurde der Kreismeistertitel und der Aufstieg in die Bezirksklasse gesichert) durfte Dorndorf als Tabellenführer der Bezirksklasse Staffel 1 gemeinsam mit dem Zweitplazierten, ebenso die beiden führenden Mannschaften der Staffel 2 und mit den 4 besten Mannschaften der Sonderklasse (der damaligen höchsten Klasse für A-Jugend-Mannschaften des Bezirkes Suhl) an der Endrunde um den Bezirkspokal teilnehmen.

In der Bezirksklasse noch ungeschlagen, spielten die Jungs auch bei diesem Turnier souverän auf, gewannen alle Spiele (auch gegen die Mannschaften der Sonderklasse Steinbach-Hallenberg und Mengersgereuth-Hämmern) zu Null (!) und errangen mit 12:0 Toren und 8:0 Punkten den Bezirkspokal.

Mit Gerhard Heidner stand in dieser Mannschaft der erste Dorndorfer, der den Sprung in die Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR, schaffte. Unvergessen das Fernsehspiel 1962 zwischen dem FC "Turbine" Erfurt und dem amtierenden DDR-Meister ASK "Vorwärts" Berlin , das die Erfurter 6:1 gewannen und G.Heidner sich als Vorbereiter und Torschütze auszeichnen konnte.

Dieser unschlagbaren Jugendmannschaft folgte schon 1957 eine überaus erfolgreiche Schülermannschaft. Trainiert von dem Abiturienten und Apothekersohn Klaus Hoch wurden diese Jungen in der Besetzung: Gerhard Beck, Peter Hülpisch, Manfred Hildebrandt, Reinhard Völkner, Volker Berendt, Hans Meyer, Bernd Williger, Peter Plate, Dieter Berger, Karl-Heinz Möller, Gerd Hülpisch Kreis- und Bezirksmeister!

Nun ging es in die Qualifizierungsspiele um die DDR-Meisterschaft. "Fortschritt" Weißenfels wurde mit 6:0 vom Platz gefegt, "Motor" Jena in Dorndorf mit dem 1:1 ein Punkt abgeknöpft, in Jena knapp 0:2 verloren und nur gegen den späteren DDR-Schülermeister FC "Motor" Karl-Marx-Stadt zwei deutliche Niederlagen kassiert.

Auch aus dieser Mannschaft kam ein Spieler zu Oberliga-Ehren: Hans Meyer - Spieler beim SC "Motor" Jena und erfolgreicher Trainer in der DDR-Oberliga, der 2.Bundesliga, des FC Twente Enschede (erste holländischen Division) und mittlerweile wieder (Anm. des Admins - Stand 05.01.09) bei Borussia Möchengladbach.

Solche Erfolge konnten in den Folgejahren nicht mehr erzielt werden, da die DDR -Sportführung auf eine gezielte Nachwuchsförderung setzte. Durch das engmaschige Netz der Talentförderung Heimatortverein - Trainingszentrum (TZ) - Kinder- und Jugendsportschule (KJS) - Club verblieben ganz wenige veranlagte Kinder in ihrer Heimatmannschaft.

Viele Dorndorfer Talente kickten im Trainingszentrum bei "Kali-Werra" Tiefenort und brachten es hier zu Kreis- und Bezirksauswahlehren, wie zum Beispiel H.Lochner, K.Lührmann, R.Rustler, G.Ritter, H.Adam, F.Wilhelm, M.Lochmann, A.Burkhard, L.Reukauf, T.Petter, P.Rismondo, M.Mihm, J.Gimpel.

Rainer Rustler, der Sohn unseres langjährigen Bezirksligaschiedsrichters Ludwig Rustler, war es, der diesen Talenteweg der DDR bis nach ganz oben gehen konnte. Über das TZ "Kali Werra" kam er zur KJS nach Erfurt, spielte international 17 mal in der DDR-B-Junioren -Auswahl und 24 mal bei den DDR-A-Junioren. Leider wurde seine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung durch mehrere Verletzungen im Seniorenbereich des FC "Rot-Weiß" Erfurt gehemmt. Er arbeitet heute als Trainer in diesem Club.

Noch einmal gelang es Dorndorfer Nachwuchsfußballern, den nun übermächtigen TZ "Stahl" Bad Salzungen und "Kali Werra" ein Schnippchen zu schlagen. 1972 zur Kreis-Kinder- und Jugendspartakiade eliminierte die damalige Kindermannschaft (2. und 3. Schulklasse) sowohl Kali in der Vorrunde als auch Bad Salzungen in der Endrunde.

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Quelle:  Chronik zum 100jährigen Jubiläum des Dorndorfer SV im Jahr 2003 (G. Heidner)

 

Anm. des Admins: Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten Sportfreunde Ergänzungen bzw. Korrekturen falscher Aussagen vorliegen haben, bitten wir um entsprechende Information an folgende Email: kontakt@dsv03.de. Besonders freuen würde sich der Vorstand über Sportfreunde, die die Chronik vom Jahr 1980 bis heute vervollständigen - gerne können an obige Email-Adresse auch Bruchstücke dieses Zeitraums geliefert werden.

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